Sachverständigen-Typen

Welche Sachverständigen-Typen gibt es?

Bau-sachverständig sind viele. Aber wenn Sie als Bau-Herr oder -Frau das Gefühl haben, dass Sie unabhängigen Rat brauchen, dann fragen Sie sich: Wer ist der beste Bau-Sachverständige für mein Problem? Und wie finde ich den richtigen? Die Suche nach dem richtigen Sachverständigen entspricht der Ihnen bekannten Suche nach dem richtigen Arzt. Um jedoch den “richtigen” Sachverständigen zu finden, ist es notwendig zu wissen welche Sachverständigen-Typen es gibt:

Die Bezeichnung “Sachverständiger”

Der Laie wendet sich bei Fragen, die er selbst nicht beantworten kann, gewöhnlich an einem “Fachmann”, den er häufig durch Freunde, Nachbarn oder Kollegen genannt bekommt, oder in den Gelben Seiten findet. Der Laie setzt den “Sachverstand” des “Fachmanns”, für die anstehenden Probleme voraus, ohne einen konkreten Hinweis darauf zu haben, ob dieser Sachverstand auch tatsächlich vorhanden ist. Wesentlich ist für ihn jedoch, dass er zu dem ausgewählten “Fachmann” Vertrauen haben kann, um auch “vertrauliche” Probleme mit ihm besprechen zu können. Der so ausgewählte “Fachmann” wird durch seine Berufs- und Fachkenntnisse zum persönlichen “Sachverständigen” des Ratsuchenden. Die Tätigkeit als Sachverständiger stellt damit keinen eigenen Beruf dar, sondern einen Berufszweig. Die Bezeichnung ist nicht geschützt. Es gibt weder ein Sachverständigengesetz noch entsprechende Studienmöglichkeiten an Hochschulen.

Folgende Sachverständigen-Typen gibt es:

Der freie Sachverständige

Für jeden Sachverständigen gilt, dass sich seine Berufs- und Fachkenntnisse, sowie die gutachterlichen Stellungnahmen, auf die speziellen Bereiche des erworbenen Fachwissens beziehen müssen. Die abgeschlossene Ausbildung als Meister, Techniker oder Ingenieur, die langjährige berufspraktische Erfahrung, der fortgesetzte Bezug zur Praxis, die ständige Auseinandersetzung mit der technischen Weiterentwicklung im jeweiligen Berufsfeld, dem jeweils neuesten Stand der Technik und den dazugehörigen Regeln (Normen), sind die Grundvoraussetzung für die Sachverständigentätigkeit. Erweiterte technische, wirtschaftliche und rechtliche Kenntnisse, sowie die persönliche Befähigung zur sachlichen und unvoreingenommenen objektiven Analyse und Dokumentation von Sachverhalten, verbunden mit der Fähigkeit sich in Wort und Schrift allgemeinverständlich und überzeugend auszudrücken, sind weitere Voraussetzung um sich als freier Sachverständiger bezeichnen zu können und tätig zu werden. Eine spezielle Zulassung ist hierzu nicht erforderlich. Jedoch verstößt jeder, der seine Sachverständigentätigkeit nicht an den vorgenannten Grundsätzen misst, gegen die Regeln “des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG)”. Als wesentlich wird hierbei vorausgesetzt, dass derjenige, der unter der Bezeichnung “Sachverständiger” auftritt, den erforderlichen Sachverstand und die notwendige Sachkunde besitzt und sich diese Kenntnisse in nachprüfbarer Weise angeeignet hat, sowie den ratsuchenden Dritten gegenüber durch seine persönliche Integrität, Zuverlässigkeit, Neutralität und Verschwiegenheit die erforderliche Vertrauensbasis vermittelt.

Der von einem Verband anerkannte Sachverständige

Als freier Sachverständiger kann man unter bestimmten Voraussetzungen einem der Sachverständigenberufsverbände beitreten. Seine Verbandsanerkennung dokumentiert der verbandsanerkannte Sachverständige durch das Führen des Verbandsstempels, sowie der Verbandsinitialen hinter der Tätigkeitsbezeichnung. Bei Gerichtsverfahren wird der verbandsanerkannte Sachverständige nicht bevorzugt; hier wird nach den Grundsätzen der Zivilprozessordnung (ZPO) der öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige bevorzugt herangezogen, sofern sich die Prozessparteien nicht auf einen freien, beziehungsweise verbandsanerkannten, Sachverständigen einigen können.

Der amtlich anerkannte Sachverständige

Für sicherheitstechnische Prüfungen, etwa für Aufzüge, werden amtlich anerkannte Sachverständige hoheitlich tätig. Sie müssen ihre spezielle Fachkunde bei einer staatlichen Stelle vorab nachweisen und unterliegen deren Aufsicht. Jedoch wird jede Sachverständigentätigkeit außerhalb der amtlichen Anerkennung nicht erfasst; hier werden die Sachverständigen wiederum als freie Sachverständige tätig.

Der zertifizierte Sachverständige

Im Zuge der europäischen Harmonisierungsbestrebungen und der damit verbundenen gegenseitigen Anerkennung von Sachverständigen in einem anderen Land ist der sogenannte zertifizierte Sachverständige entstanden. Das durch eine mündliche und schriftliche Prüfung bei einer akkreditierten Personalzertifizierungsstelle erworbene Zertifikat (EN 45 013) ist zeitlich befristet und muss im Abstand von drei Jahren regelmäßig erneuert werden. Auch die Zertifizierung begünstigt eine Berufung durch die Gerichte nicht. Außerhalb des zertifizierten Sachbereichs werden diese Sachverständigen ebenfalls als freie Sachverständige tätig.

Der öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige

Für eine bevorzugte Beauftragung durch die Gerichte bedarf es grundsätzlich der öffentlichen Bestellung und Vereidigung. Neben der qualifizierten Sachkunde nach dem neuesten Stand von Wissenschaft und Forschung, die durch mündliche und schriftliche Prüfungen und durch im Rahmen einer freien Sachverständigentätigkeit bereits erstellte Gutachten nachgewiesen werden muss, sind des weiteren ein guter Leumund, belegt durch Führungszeugnis und Referenzen, sowie der Nachweis geordneter wirtschaftlicher Verhältnisse grundsätzliche Voraussetzung. Je nach Bestellungsbehörde und Fachgebiet sind zusätzliche Anforderungen zu erfüllen. Die Bestellung ist nur teilweise zeitlich befristet und muss nur in bestimmten Fällen erneuert werden. Die Bezeichnung als öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger (ö.b.u.v.) ist gesetzlich geschützt und wird durch die Verwendung eines Rundstempels der bestellenden Institution nach außen dokumentiert. Will der öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige außerhalb seines streng abgegrenzten Bestellungsgebietes tätig werden (dies gilt auch für Teilaspekte eines Auftrages), so darf er dies nur als freier Sachverständiger tun, wobei die Verwendung des Rundstempels hierbei generell untersagt ist. Der öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige untersteht der Überwachung durch die Bestellungsinstitution, die ermächtigt ist, sich in alle geschäftlichen Vorgängen des Sachverständigen, insbesondere auch vertrauliche Vorgänge, Einsicht zu verschaffen.

Der Sachverständige im Privatauftrag

Im Privatauftrag, das heißt außerhalb des gerichtlichen Auftrages, werden alle Sachverständigen ohne Unterscheidung nach öffentlicher Bestellung, Zertifizierung, Verbandsanerkennung oder freier Sachverständigentätigkeit, nach den Grundsätzen des Werkvertragsrechts tätig und unterliegen damit quasi denselben Leistungsanforderungen.

Soweit entspricht die Suche nach einem Sachverständigen der Suche nach einem Arzt. Die “Ärzteschwemme” hat für die Patienten den positiven Nebeneffekt, dass sie ihren Arzt auswählen können. Dies ist bei den Sachverständigen ähnlich: Sie haben die Qual der Wahl.

Wie Sie den richtigen Bau-Sachverständigen finden.